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Behandlungsmethoden

Ohrakupunktur

Die Ohrakupunktur ist relativ jung. Erste Hinweise über eine Therapie am Ohr kennt man jedoch bereits aus dem alten Ägypten. Hippokrates, der berühmteste Arzt des antiken Griechenlands, hat Impotenz über das Ohr behandelt. In der Chinesischen Akupunktur hat das Ohr eine untergeordnete Rolle gespielt.

Welche Krankheiten werden behandelt?

Die Möglichkeiten der Ohrakupunktur
Über das Ohr können alle Schmerzen, welcher Art sie auch sind, beeinflusst, gelindert und häufig ganz ausgeschaltet werden. Nogier hat die Ohrakupunktur auch für die Behandlung aller Leiden empfohlen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Furcht, Platzangst, Besessenheit, Konzentrationsmängel, Schwindel, Stottern, Bewältigung von Traumata usw. sind Beispiele einer langen Reihe von Indikationen.

Eine besondere Bedeutung kommt der Ohrakupunktur bei der Suchtbehandlung zu. Verschiedene Behandlungsprogramme zur Entwöhnung bei Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, zur Raucherentwöhnung oder bei der Bekämpfung der Esssucht geben dem Behandler die Möglichkeit, sich der individuellen Situation des Suchtkranken zu stellen.

Die Ohrakupunktur bietet zudem wirksame Hilfe bei Allergien, Asthma, Entzündungen und Spasmen innerer Organe von Pankreas bis zur Kolitis.

Anwendungsgebiete nach Ärzteerfahrung und Volksmedizin

  • Akute Schmerzen, vor allem Gelenk-, Ischias- und Nackenschmerzen, traumatische Schmerzen (z.B. nach Unfällen), Neuralgien, Herpes-Zoster-Schmerz, Kopfschmerzen jeder Form, Phantomschmerzen, Koliken, Rheumaschmerzen, Claudicatio intermittens, Geburtsschmerzen
  • Allergien
  • Asthma bronchiale, Bronchitis
  • Krämpfe
  • psychische Krisen und psychische Probleme: Furcht, Platzangst, Besessenheit, Konzentrationsmängel, Schwindel, Stottern usw.
  • Suchterkrankungen: Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch, Raucherentwöhnung, Esssucht
  • Traumata

Inhaltsverzeichnis

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Behandlungsprinzip & Wirkungsweise

Nogier, der Entwickler der Ohrakupunktur, geht davon aus, dass sich Krankheiten nach bestimmten Regeln abbilden. Seiner Theorie zufolge findet man den anatomischen Aufbau des Körpers im Ohr wieder. Da die Beziehungen der Organe erhalten bleiben, spricht man auch von einer „geometrischen“ oder „linearen“ Abbildung.

Dabei gelten folgende Regeln:

  • Die Wirbelsäule mit ihren Segmenteinheiten ist im mittleren Ohr repräsentiert.
  • Alle Organe oder Organsysteme sind im Krankheitsfalle auf einer Linie über oder unter seinem jeweiligen Wirbelsäulensegment abgebildet.
  • Alle inneren Organe (aus dem endodermalen Keimblatt) sind über die Ohrmitte (Concha) zu erreichen.
  • Die äußeren Körperteile wie Hände und Füße, Bänder, Sehnen findet man auf der Ohrmuschel.
  • Das Nervensystem (ektodermale Organe) ist über die Ohrkrempe zu erreichen und
  • der Kopf mit Augen und Zunge über das Ohrläppchen.

Werden gestörte Punkte im Ohr gefunden, kann sie der Therapeut nach der Theorie der Ohrakupunktur einem Organ bzw. einer Erkrankung zuordnen.

Die Wirkung
Hinweise auf einen Zusammenhang von inneren Organen und Hautflächen finden sich in den Beobachtungen des Londoner Neurologen Henry Head (1861-1940). Er fand, dass Haut und Organe, die vom gleichen Rückenmarksabschnitt mit Nerven versorgt werden, eine funktionelle Einheit bilden: Bei Erkrankungen eines Organs werden die damit zusammenhängenden Hautregionen überempfindlich (HEADsche Zonen). Der Zusammenhang gilt auch umgekehrt und die Organe können über diese Hautbereiche reflektorisch beeinflusst werden. Diese Theorie nennt man „Segmenttherapie“.

Auch die Ohrakupunktur könnte nach einem ähnlichen Mechanismus funktionieren.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Wechselwirkungen
Patienten, die mit Psychopharmaka oder starken Schmerzmitteln (Analgetika) behandelt werden, ist Ohrakupunktur nicht anzuraten. Die Wirkung solcher Medikamente könnte auf nicht kontrollierbare Weise verstärkt werden, so dass eine ärztliche Aufsicht geboten wäre. Auch die Dosierungen anderer pharmazeutischer Langzeittherapien sollen während der Behandlung über das Ohr ständig überprüft und gegebenenfalls reduziert werden.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Die Ohrakupunktur ist eine energetische Therapie. Bei Zuständen, die durch absoluten Mangel an Lebensenergie gekennzeichnet sind, hat sie keine Wirkung.

Da ferner für die Akupunktur Nervenreaktionen notwendig sind, ist ein weitgehend intaktes Nervensystem eine Voraussetzung für eine Wirkung.

Bei Krankheiten wie PCP (Primäre Chronische Polyarthritis, sog. „Rheuma“) oder Multiple Sklerose (MS = Enzephalomyelitis disseminata, ED) ist die Wirkung der Ohrakupunktur nicht abzusehen und daher nicht angezeigt.

Bei Dauernadeln ist auf strenge Sauberkeit (Asepsis) zu achten. Bei Patienten mit gestörtem Immunsystem und der Neigung zu bakteriellen Infektionen sind sie nicht zu empfehlen.

Schmerzen bei Schwangeren sollen gut und wirksam behandelt werden können. Allerdings sollen die „Punkte der hormonellen Steuerung“ unangetastet bleiben.

Weitere mögliche Komplikationen und Nebenwirkungen sind Blutungen, Blutergüsse, Schmerzen beim Setzen der Nadeln. Möglicherweise kann Benommenheit und eine herabgesetzte Fähigkeit bei der Bedienung von Maschinen auftreten.

Es sei nochmals betont, dass vor Beginn einer Akupunktur eine ärztliche Abklärung des Gesundheitszustands erfolgen soll. Patienten sollen nicht von dringend gebotenen medizinischen Verfahren abgehalten werden (Schaden durch Unterlassung).

Ablauf

Bevorzugt werden für die Behandlung ruhige und abgeschlossene Räume. Es wird im Sitzen oder Liegen behandelt.

Zur Behandlung wird erst einmal das Ohr gründlich untersucht, die zu nadelnden Punkte bestimmt und die akute Krankheitssituation festgestellt. Die Behandlung beginnt mit aufeinander folgenden, einander ergänzenden Behandlungsschritten.

Ausnahmen bilden begrenzte, akute Störungen, die eine organotrope, d.h. rein symptomorientierte Behandlung erfordern. Hier nadelt man vorwiegend „Organpunkte“, übergreifende Zusammenhänge und deren Behandlung spielen eine geringere Rolle.

Bei der Behandlung werden eine oder mehrere Akupunkturnadeln oberflächlich (2mm) in das Ohr gestochen, der Knorpel bleibt unverletzt. Durch Drehen der Nadel kann die Wirkung gesteigert werden. Besonders wirksam ist ein so genannter „Behandlungsstrahl“ aus einer Kombination von Nadeln durch den so genannten 0-Punkt, der über das gesamte Ohr verläuft (siehe Abbildung). Die Behandlungsdauer liegt aufgrund der unterschiedlichen Verweildauer der Akupunkturnadeln zwischen 20 und 40 Minuten.

Dauer und Abstände
Erfolgt die Behandlung im Rahmen der oben beschrieben Grundsätze, soll sie nicht öfter als einmal pro Woche erfolgen. Kürzere Behandlungsintervalle sind dann nicht angeraten, wenn man Erstverschlimmerungen vermeiden will, es sei denn es handelt sich um eine akute Störung.

Man geht davon aus, dass jede Behandlung das Beschwerdebild verändert und daher bei jeder neuerlichen Behandlung ein neuer Status erhoben werden muss, der dann die Grundlage für die Weiterbehandlung bildet. Ein Reiz, der bei einer vergangenen Behandlung erforderlich war, wird nun möglicherweise nicht mehr benötigt und könnte sogar eine Störung hervorrufen, wenn man ihn dennoch setzt.

Von Dauereinwirkungen auf das Ohr durch so genannte Dauernadeln ist dann abzuraten, wenn kein Therapeut den Zustand überwachen kann, denn die Behandlung kann nicht abgebrochen werden, wenn sie nicht mehr benötigt wird. Das trifft insbesondere auf den neuesten Trend zu, mittels Implantaten im Ohr auf das Körpergeschehen einzuwirken.

Ergänzende Maßnahmen

Die Ohrakupunktur ist möglicherweise eine geeignete Therapie, die Behandlung mit westlichen Methoden zu ergänzen. Sie ist ungiftig und nebenwirkungsarm. Angesichts einer ständig steigenden Zahl von Menschen, die aufgrund von Allergien oder anderen Gründen keine Medikamente einnehmen können oder der Schulmedizin kritisch gegenüber stehen, könnte die Behandlung mittels der Ohrakupunktur ein Weg zur Heilung und die wirksame Alternative zur bisherigen Behandlung sein.

Wie wirksam ist die Methode? Gibt es Studien?

Die Wirkungsweise der Ohrakupunktur ist nicht genauer untersucht. Sie löst vermutlich ähnliche Prozesse aus wie die Akupunktur.

Forschung
Die Stärke der Ohrakupunktur soll darin liegen, dass Störungen behandelt werden können, bevor sie klinisch sichtbar werden. Jedoch kann die Ohrakupunktur nur regulieren, was gestört ist, sie kann aber nicht regenerieren, was zerstört ist. Die Wirkung wird als schnell, risikoarm und nebenwirkungsfrei beschrieben.

Die Anwendung der Ohrakupunktur bei Schmerzsymptomatik erfährt in den letzten Jahren zunehmende Verbreitung. Erste kontrollierte Studien geben Hinweise auf eine Reduktion von Schmerzen. Auch bei Suchterkrankungen (auch Esssucht) und psychischen Leiden soll Ohrakupunktur erfolgreich sein. Hier jedoch handelt es sich um Erfahrungswerte, die Wirkung konnte in den verfügbaren Studien nicht bewiesen werden.

Nach Ansicht westlicher Therapeuten sollte die Akupunktur die moderne Medizin nicht ersetzen, sondern ergänzen. Häufig wird auch die Empfehlung ausgesprochen, vor dem Beginn einer Ohrakupunktur-Behandlung die Beschwerden durch konventionelle Methoden der westlichen Medizin abklären zu lassen (z.B. Blutuntersuchungen, Ultraschall, Röntgenaufnahmen, EKG usw.).

Ritual und Wirkung sind bei vielen klassischen Naturheilverfahren und der Akupunktur nicht ausreichend zu trennen. Solange Patienten kein Schaden zugefügt wird und Schmerzmittel eingespart werden können, sind diese Methoden durchaus berechtigt. Jeder Patient wird individuell behandelt, die Kosten der Ohrakupunktur sind durch den Zeitaufwand verglichen z.B. mit der Phytotherapie relativ hoch.

Studien
Im Bereich der Schmerzkontrolle gibt es eine zunehmende Anzahl an Studien mit Hinweisen zur Wirksamkeit der Ohrakupunktur. Dr. Usichenko und sein Team von der Uni Greifswald beispielsweise publizierten kürzlich eine Studie zu diesem Thema. Untersucht wurde der Einfluss der Ohrakupunktur auf den postoperativen Schmerzmittel-Verbrauch von 54 Patienten, die eine Hüftprothese erhalten hatten. Alle Patienten erhielten nach der OP eine Schmerzpumpe, mit der sie selber ihre Schmerzen kontrollieren konnten. Dabei zeigte sich, dass die Akupunktur-Patienten weniger Schmerzmittel verbrauchten, als die Patienten der Kontrollgruppe mit einer Nadelung in nicht wirksamen Akupunkturpunkten.

Objektive Kontrollen
Das Problem der meisten Akupunkturstudien ist jedoch, dass eine „Placebo-Nadelung“ schwierig ist, denn das Stechen von Nadeln allein ist für den Menschen geradezu „magisch“. Es löst im Körper verschiedene Reaktionen aus, die zu einer Schmerzlinderung führen können. Festgestellt wurde eine Ausschüttung von körpereigenen beruhigenden Substanzen (Substanz P, Endorphine, Serotonin). Außerdem können im Rückenmark eintreffende Schmerzreize andere Nervenreize unterdrücken. Diese Reaktion kommt auch bei der Kontrollgruppe vor, bei der die Nadeln in „unwirksame“ Punkte gestochen werden. Das führt dazu, dass bei den Kontrollpatienten auch eine Schmerzlinderung auftritt. Nimmt man die unspezifischen und die spezifischen Effekte der Akupunktur zusammen, wäre die Wirkung größer. So wird – nach Ansicht der Therapeuten – die Wirkung der Akupunktur durch dieses Studiendesign eher unterschätzt.

Auch in der Körperakupunktur sind mittlerweile hinreichend signifikante Wirkungen auf Rücken-, Knie- und Kopfschmerzen durch eine „echte“ Akupunktur belegt.

Qualifikation – was zeichnet einen guten Therapeuten aus?

Die Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Chinesische Medizin (AG TCM) e.V. bietet über ihren Fachbereich Ohrakupunktur und das Zentrum für Ohrakupunktur Berlin Kurse an. Sie werden von der AG TCM zertifiziert.

Zur Ausübung der Ohrakupunktur ist keine Grundausbildung in Akupunktur nötig.

Informationen zum Ausbildungsinhalt (Rahmenlehrplan), über Ausbildungsorte und Termine kann man der Homepage des Fachbereichs: www.ak-ohrakupunktur.de und der Homepage des Zentrum für Ohrakupunktur Berlin: www.ohrakupunktur-ausbildung.de entnehmen.

Ursprung der Methode, Varianten

Im Gegensatz zur Chinesischen Körperakupunktur ist die moderne Ohrakupunktur gerade 50 Jahre alt. Der französische Arzt Nogier hat sie entwickelt und 1956 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Ohrakupunktur nach Dr. Nogier ist jedoch keine Heilmethode, die sich problemlos in das System der klassischen Akupunktur einordnen lässt.

Regulierende Schmerzreize
Die Ohrakupunktur ist eine Reflexzonentherapie, bei der durch Stich oder eine andere Manipulation (Druck, Massage, Reizstrom, Laser, Farblicht usw.) ein Areal in der Ohrmuschel angeregt wird. Durch einen reflexartigen Mechanismus soll sich wie bei der Akupunktur ein therapeutischer Effekt auf den Körper auslösen lassen. Die relevanten Punkte werden durch Messung des Hautwiderstandes bestimmt und sind nur vorhanden, wenn sie durch eine Störung im Organismus ausgelöst werden.

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