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Behandlungsmethoden

Akupunktur

Die Akzeptanz der traditionellen chinesischen Medizin und damit vor allem der Akupunktur ist außerordentlich hoch. Nach den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage des Instituts für Demoskopie würden sich 61 Prozent aller Bundesbürger für eine Kombinationsbehandlung von Schulmedizin und Traditioneller Chinesischer Medizin entscheiden.

Akupunktur zur Schmerztherapie

In der westlichen Heilkunde sieht man das Haupteinsatzgebiet der Akupunktur in der Schmerztherapie. Sie soll vor allem dann helfen, wenn etwas gestört und nicht zerstört ist (wie z. B. Migräne, Spannungskopfschmerz). Bei Erkrankungen mit geschädigtem Gewebe kann Akupunktur trotzdem begleitend eingesetzt werden (z.B. Arthrose im Knie) um die Beschwerden zu lindern.

Anwendungsgebiete: mit verschiedenen klinischen Studien belegt

  • Arthroseschmerzen
  • chronische Schmerzen
  • Heuschnupfen und allergisches Asthma
  • Schmerzsymptomatik in Knie und Rücken (LWS-, BWS- und HWS-Syndrom)
  • Spannungskopfschmerz und Migräne
  • Tennisellenbogen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Zahnschmerzen
© Yanik Chauvin - Fotolia.com
© Yanik Chauvin - Fotolia.com

Inhaltsverzeichnis

Anwendungsgebiete: laut Anwendungsbeobachtung und Ärzte-Erfahrung

  • Chronische Bronchitis oder Nasennebenhöhlenentzündung
  • Depression und Angststörungen
  • Erkrankungen des Nervensystems, neurologische Erkrankungen (Lähmungen und Sprachstörungen nach einem Schlaganfall, Polyneuropathie, Trigeminusneuralgie)
  • Erschöpfungszustände, Aktivierung von Körperkräften und Muskeln
  • Gynäkologische Probleme wie Dysmenorrhoe, Entzündungen, Fruchtbarkeitsstörungen, Geburtsvorbereitung, Flüssigkeitseinlagerungen während der Schwangerschaft, Geburtserleichterung, Schwangerschaftsübelkeit, Wechseljahre
  • Gelenkblockaden
  • Hauterkrankungen (Akne, Ekzeme, Psoriasis)
  • Magen-Darm-Erkrankungen und Verdauungsstörungen (z. B. Reizdarm)
  • Muskulatur, spannungslösend oder belebend
  • Ohr- und Gleichgewichtserkrankungen
  • Raynaud
  • Schmerzlinderung (Rheuma, Krebs, Geburt)
  • Stimulation der Selbstheilung
  • Suchterkrankungen (Nikotin, Alkohol, Heroin, Kokain)
  • Tinnitus und Schwindel
  • Wundheilungsstörungen

Zwar konnte bei Migräne nicht die Schmerzintensität reduziert werden, doch waren die Dauer und Anzahl der Attacken sowie die Begleitsymptome vermindert. Leider erklärten sich nur wenige Patienten dazu bereit, in der Kontrollgruppe mit der konventionellen Therapie teilzunehmen oder sie nahmen Begleitmedikamente ein. So fehlt leider ein korrekter Vergleich. Nach Angaben der Studienleiter soll die Wirkung der beiden Therapien vergleichbar gut sein, eventuell sei die „echte“ Akupunktur auch der „Placeboakupunktur“ überlegen.

Im Zahnschmerzmodell wurde die Schmerzschwelle mit verschiedenen Akupunkturmethoden um 23-27 % angehoben.

Die Anwendung von Akupunktur in der Schwangerschaft ist umstritten. Viele Therapeuten sprechen sich aber für Akupunktur gegen schwangerschaftsbedingte Beschwerden aus wie: Übelkeit und Erbrechen, Spannungskopfschmerz und Rückenschmerzen. Auch bei der Geburtsvorbereitung sowie zur Unterstützung der Wendung des Kindes bei einer ungünstigen Lage soll Akupunktur sinnvoll sein.

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Behandlungsprinzip & Wirkungsweise

Wie Akupunktur funktioniert, wird derzeit untersucht und es gibt zunehmend Beweise. Im Osten wie im Westen hat man dazu verschiedene Theorien: Während in Asien Energie und Lebenskraft im Vordergrund stehen, besteht die westliche Forschung auf einer Erklärung durch biologische Körperreaktionen (Reiz-Reflextherapie).

Östliche Sichtweise
In der Traditionellen Chinesischen Heilkunst spielt die Lebensenergie, Qi genannt, eine zentrale Rolle. Bildlich dargestellt durchzieht sie den Köper in definierten Bahnen, den Meridianen, und versorgt die Organe mit der lebensnotwendigen Energie. Man kennt in der klassischen Akupunktur etwa 361 Punkte, die auf insgesamt zwölf Meridianen liegen. Qi ist immer in Bewegung. So reguliert und versorgt es Atmung, Immunsystem, Muskelspannung und Verdauung. Die beeinflussbaren Faktoren sind Bewegung, Wärme, psychische Aktivität und Vitalität, Verdauung, Entgiftung und Schutz.

Alle energetischen Phänomene und biologischen Funktionen sind in Ordnungssysteme eingebunden. Organe werden zu Funktionskreisen zusammengefasst. Die Leber ist in der TCM beispielsweise mit Sehnen und Muskeln verbunden. „Yin“ und „Yang“ beschreibt dabei die Pole, zwischen denen der Zustand liegt, und die „Fünf Wandlungsphasen“ rhythmische Prozesse.

Krankheit vergleicht man mit einer Blockade, welche das Fließen der Energie unterbindet, ein Übermaß oder Mangel an Qi. Ein erkranktes Organ kann an entfernten Stellen Veränderungen auslösen und in Muskel- und Hautpartien zu Verspannungen, Verkrampfungen und Durchblutungsveränderungen führen. Schmerzen und Unwohlsein sind die Folge. Diese Punkte werden bei der Diagnose erspürt und regulierend stimuliert oder beruhigt.

Westliche Sichtweise
In der westlichen Medizin bemüht man sich, die Akupunktureffekte zu erfassen. Derzeit gibt es verschiedene plausible Theorien, die darauf basieren, dass der Nadelreiz im Körper erklärbare Reaktionen auslöst.

Wie soll das funktionieren?
Für die Verbindung der Akupunkturpunkte mit den Nerven gibt es verschiedene Hinweise: Die meisten Akupunkturpunkte (80 %) sind anatomisch gesehen besondere Punkte. Sie liegen an Stellen, wo Nerven aus Muskeln oder Knochen an die Oberfläche treten oder an Stellen, die stark mit Nerven durchzogen sind. Diese Punkte sind besonders druckempfindlich und sie zeichnen sich durch einen verminderten Hautwiderstand sowie eine erhöhte Leitfähigkeit aus.

Durch den Nadelstich, das Auf- und Abbewegen sowie das Drehen der Nadel wird das Bindegewebe um die Akupunkturpunkte intensiv verformt. Das könnte Effekte in Gang setzen, die sich über das Bindegewebe um die Akupunkturstelle hinaus ausbreiten.

Die Ansprechbarkeit verschiedener Probanden auf Akupunktur ist dabei individuell verschieden und man hat bereits einen Unterschied im Stoffwechsel gefunden (Cholecystokinin-Konzentration), der für diesen Effekt sehr wahrscheinlich verantwortlich ist.

Für die klassische Akupunktur und die Elektroakupunktur wurden verschiedene neurobiologische Effekte gemessen:

Freisetzung von Opiaten und Neurotransmittern
In Tierversuchen und einigen Versuchen am Menschen wird die Bildung von körpereigenen morphinartigen Substanzen (Endorphinen) nachweislich gefördert. Daneben sind viele andere Nerven-Überträger-Substanzen (Serotonin, Oxytocin…) an der Wirkung beteiligt.

Die Wirkung auf die Nerven sowie die Schmerzverarbeitung ist schmerzlindernd und auf die Psyche entspannend. Das reduziert schmerzhafte Verspannungsschmerzen und regt die Durchblutung dieser Zonen an.

Wirkung auf die Schmerzverarbeitung
Mit der Nadel werden in der Haut Nervenfasern aktiviert, die dann ein relativ schwaches Schmerzsignal (welches unter der Schmerzgrenze liegt) in das Rückenmark weiterleiten. Dadurch wird vorübergehend die Schmerzwahrnehmung in anderen Bereichen des Körpers, die von demselben Rückenmarksabschnitt versorgt werden, unterdrückt (Segmenttheorie, „Gate control“-Theorie). Der Patient erfährt damit zumindest zeitweise ein neues Körpergefühl.

Daneben wurde ein weiteres schmerzhemmendes System (DNIC) entdeckt, welches durch schmerzhafte Reize (welche über der Schmerzgrenze liegen) in allen anderen Teilen des Körpers Schmerzen unterdrücken kann. Sie funktioniert also nach dem Prinzip: Schmerz hemmt Schmerz. Beeinflusst werden können vor allem dumpfe, brennende Schmerzen. Hier konnten länger anhaltende Effekte durch schmerzhafte Reize („Gegenirritation“) beobachtet werden.

Ein drittes Hemmsystem wurde beschrieben: Hier geht die Hemmung vom Gehirn selbst aus, welches man als absteigendes oder deszendierendes System bezeichnet. Es kann durch psychischen, physischen Stress sowie Schmerzreize (wie Akupunkturreize) aktiviert werden.

Einige diese Effekte entfalten sich auch, wenn „falsche“ Akupunkturstellen genadelt werden. Der Unterschied zwischen diesen Punkten konnte klinisch noch nicht eindeutig erwiesen werden. Eine „Placebo"-Akupunktur ist methodisch schwer durchzuführen. Eine ausführliche Diskussion zum Thema „falsche“ Akupunktur finden Sie hier.

Chronische Schmerzen
Lang anhaltende Schmerzen führen zu Veränderungen im Rückenmark, welche zu chronischen Schmerzempfindungen führen. Der Schmerz kann daher sogar dann andauern, wenn die Schmerzursachen schon lange abgeklungen sind. Akupunktur soll die Mechanismen zur Schmerzkontrolle fördern und die Chronifizierung von Schmerzen verhindern. Daneben kann sie die schmerzerzeugenden Veränderungen im Rückenmark teilweise (zeitweise) rückgängig machen.

Viele der genannten Effekte erklären plausibel die kurzfristige Änderung der Schmerzempfindung. Für die langfristigen Effekte, die über Monate andauern, sind vermutlich andere Mechanismen wirksam.

Der vernetzte Körper
Nach einer neuen Theorie besteht eine enge Verknüpfung zwischen der Blut- und Lymphbahn, den Zellen, den Nerven und Hormonen. In der Tat gibt es aus verschiedenen Disziplinen eine zunehmende Anzahl von Beobachtungen, die diese Annahme stützen:

Zentrale Drehscheibe dieses Informationsaustausches sei der außerhalb der Zelle liegende Gewebeanteil. Dabei handelt es sich um ein komplexes Material, das dem Gewebe Form und Festigkeit verleiht und darüber hinaus auch hormonartige Signalkomponenten enthält („extrazelluläre Matrix“).  Diese „Matrix“ wird entsprechend den herrschenden Bedingungen wie Entzündung, Diabetes oder mechanische Beanspruchung modifiziert.

Die Matrix ist ein wichtiger Umschlagsplatz von Informationen. Jede Änderung in ihr beeinflusst möglicherweise über Nerven und Körperflüssigkeiten alle Systeme. Eventuell ist die Akupunktur dazu geeignet, über die intensive Einwirkung auf die Matrix über Verformung und Botenstoffe eine Kettenreaktion in Gang zu setzen und regulierend auf das ganze System Einfluss zu nehmen.

Andere Effekte
Durch Elektroakupunktur und Akupunktur wird auch das autonome Nervensystem angesprochen, welches unbewusste Funktionen wie Atmung, Verdauung, Herzschlag reguliert. Dafür sprechen Effekte auf die Durchblutung, Blutdruck und die Eingeweide. Lokal verhärtete und  bei Druckschmerz empfindliche Punkte der Muskeln können durch eine Akupunktur ebenfalls gelockert werden. Auch der Bereich im Gehirn, welcher für die emotionelle Bewertung zuständig ist („limbisches System“) und der Hypothalamus, wichtigstes Steuerzentrum des vegetativen Systems, werden aktiviert.

Akupunktur gehört zu den Reiztherapien. Prinzip solcher Therapien ist es, die Reaktion auf und die Anpassung an solche Reize zu fördern, so dass die allgemeinen und speziellen Regulationsmechanismen des Körpers gestärkt werden.

Wenig untersucht sind die psychologischen Effekte der Akupunktur. Normalerweise tritt Schmerz zusammen mit Stress auf. Während einer Akupunktursitzung geschieht jedoch etwas für den Patienten Neues: Schmerz wird zusammen mit Entspannung und eventuell einem Wärmegefühl wahrgenommen. Besonders bei chronischen Schmerzpatienten scheint dadurch ein Lernprozess in Gang gesetzt zu werden, der die Schmerzwahrnehmung entscheidend beeinflussen kann.

Nebenwirkungen & Gegenanzeigen

Wechselwirkungen
Bei Patienten unter gerinnungshemmender Therapie (z.B. Marcumar) können abnorme Blutungen und Blutergüsse auftreten. Besonders auf sehr tiefe Nadelungen – etwa im Gesäß- und Lumbalbereich – sollte man hier verzichten.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen
Beim Einstich der Akupunkturnadeln empfindet man einen hellen und oberflächlichen Schmerz, der dann einem Schwere- und Druckgefühl („Qi Gefühl“) weicht, der typische Ablauf von Schmerzen nach einer Hautverletzung. Selten spüren die Patienten ein elektrisierendes Gefühl. Unter Umständen treten Kälte- oder Hitzegefühle, Kribbeln, Schwindel und Zittern auf. Auch spontane Gefühle wie Angst, Unruhe, Traurigkeit, Wut oder Angst werden berichtet.

Die Nebenwirkungen der Akupunktur sind sehr gering. An den Einstichstellen können eine Rötung, ein Wärmegefühl oder Blutergüsse (bei ca. 9 % der Patienten) entstehen. Wie auch in der Homöopathie verschlechtern sich mitunter nach den ersten Sitzungen die Beschwerden. In seltenen Fällen und bei empfindlichen Personen kann es zu Kollapsreaktionen kommen. Deshalb wird meist im Liegen behandelt.

Gegenanzeigen
Lebensbedrohliche Notfallsituationen sollten nicht mit Akupunktur behandelt werden. Auch der Einsatz in der Psychiatrie wird kritisch bewertet (Gefahr von Selbstverletzungen und abnormen Reaktionen).

Ob in der Schwangerschaft behandelt werden darf, war lange Zeit umstritten. In großen Statistiken konnte jedoch neuerdings gezeigt werden, dass keine Komplikationen zu erwarten sind. Schwangerschaftsübelkeit und  -erbrechen werden schon lange sehr erfolgreich behandelt.

Bei Patienten mit Herzschrittmachern sollte nicht mit Elektroakupunktur gearbeitet werden.

Wunden und Stellen mit Hauterkrankungen lässt man bei der Behandlung aus.

Selten müssen Patienten mit starken Kontaktallergien z. B. gegen Nickel oder Chrom auf die Nadelung verzichten.

Eine Moxabehandlung sollte bei Bluthochdruck, Blutungen (auch Menstruation), Fieber, akuten Infektionskrankheiten, bei starker Nervosität oder bestimmten Schlafstörungen unterbleiben.

Die Behandlung mit Nadeln kann eine angenehme Benommenheit und 1-2 Stunden Müdigkeit erzeugen. Dies ist vor allem beim Bedienen von Maschinen und der Heimfahrt mit dem Auto zu beachten.

Ablauf

Zunächst wird ausführlich der Gesundheitszustand bestimmt und eine Diagnose erarbeitet (sowohl eine nach der westlichen Schulmedizin als auch nach der TCM). Als zweiter Schritt soll ein Therapieplan erstellt und die zu nadelnden Punkte bestimmt werden. Der Patient wird dann in einem geschlossenen und ruhigen Raum in bequemer Haltung (sitzend oder liegend) behandelt. Dabei gilt: Es sollen so wenig Nadeln wie möglich gestochen werden (meist 8-25, im Durchschnitt 16). Die Nadelpunkte werden mit einer leichten Druckmassage vorbereitet. Durch leichtes Drehen und Auf-Abbewegen der Nadeln stimuliert der Therapeut die Punkte. Die Verweildauer der Nadeln beträgt durchschnittlich 20-30 Minuten. Normalerweise finden 1 bis 2 Akupunkturbehandlungen innerhalb von einer Woche statt und zehn bis zwölf Behandlungen am Stück. Bei massiven Beschwerden wird nach einer Pause von zwei bis drei Wochen eine zweite oder dritte Behandlungseinheit durchgeführt.

Wenn die Erkrankung wieder auftritt  (z.B. Migräne oder Rückenschmerzen), empfiehlt man rechtzeitig eine erneute Akupunkturbehandlung. In der Regel sind dann wesentlich weniger Sitzungen nötig als beim ersten Mal. Nach drei bis vier Monaten reichen zwei bis vier Akupunktursitzungen zur Auffrischung und Stabilisierung.

Ergänzende Maßnahmen

Die Akupunktur kann ergänzend zu einer Standardtherapie oder zu anderen Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt werden.

Wie wirksam ist die Methode? Gibt es Studien?

Warum Akupunktur wirksam ist, wird derzeit wissenschaftlich untersucht. Hunderte von Studien im Bereich der Grundlagenforschung konzentrieren sich auf neurobiologische Mechanismen. Akupunktur führt zu einer Ausschüttung von körpereigenen „Glückshormonen“ (Endorphinen). Außerdem kann die Schmerzweiterleitung im Rückenmark offensichtlich kontrolliert werden („Gate control“). Damit kann auch die Entwicklung chronischer Schmerzen verhindert werden und bereits vorhandene chronische Schmerzen zumindest zeitweise unterdrückt werden. Viele Patienten erleben verschiedene Effekte, welche die Lebensqualität entscheidend verbessern. Insbesondere, wenn eine Diagnose der konventionellen Medizin vorliegt, kann die Akupunktur als eine sichere Behandlungsmethode eingestuft werden.

Der positive Effekt bei Knie- und Rückenschmerzen ist durch klinische Studien belegt: Die Wirkung der Akupunktur war doppelt so hoch wie die der westlichen Standardtherapie. Erstaunlicherweise war es bei der Behandlung von Schmerzen des Kniegelenkes und der Wirbelsäule unwichtig, ob die typischen Punkte der traditionellen chinesischen Akupunktur (TCM, „echte“ Akupunktur) verwendet wurden oder ganz andere („falsche“) Punkte. Beide Akupunkturformen („echte“ und „falsche“) waren dabei aber der Standardtherapie überlegen.

Auch bei Kopfschmerzen war die Wirkung in Studien eindeutig positiv und mit der medikamentösen Behandlung vergleichbar. Dabei zeichnet sich ab, dass der Anfallsschmerz bei Spannungskopfschmerzen und Migräne durch die Akupunktur gebessert werden kann, nicht jedoch chronische Kopfschmerzen.

Im Auftrag einer Krankenkasse (Techniker Krankenkasse, TK) sind über drei Millionen Akupunktur-Behandlungen in der Charité in Berlin untersucht und ausgewertet worden. In der Pressemitteilung stellt die TK fest, dass 90 % der Allergiker, 75 % der Patienten mit Kopf- oder Lendenwirbelschmerzen, 85 % der Knie-Arthroseschmerz-Patienten, 82 % der Asthmapatienten  und 85 % der Patientinnen mit Menstruationsschmerzen selbst noch nach einem halben Jahr nach der Behandlung eine Besserung verspürten.

Auch aus dem Bereich der Universitäten zeigen methodisch gute Studien die Wirksamkeit der Akupunktur für die unterschiedlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schmerzen des Bewegungsapparates und Heuschnupfen.

Bitte beachten Sie: Bevor man sich in eine Akupunkturbehandlung  begibt, sollte mit westlicher Medizin der Grund der Störung geklärt werden (zum Beispiel Krebs, Multiple Sklerose oder Schlaganfall). Andernfalls besteht die Gefahr, dass ein dringend notwendiger Behandlungsbeginn "verschleppt" wird.

Qualifikation – was zeichnet einen guten Therapeuten aus?

Die Akupunktur sollte nur von Therapeuten mit einer speziellen Ausbildung durchgeführt werden. Ein seriöser Therapeut sollte auch Mitglied einer Fachgesellschaft (Deutschland) sein, die für eine Qualitätssicherung bei Ausbildung und Behandlung meist mit einem Qualitätssiegel bürgt.

Ab dem 1. Januar 2007 benötigen Ärzte eine Ausbildung, wenn sie Patienten mit chronischen Rückenschmerzen oder chronischen Schmerzen durch Kniegelenksarthrose mit Akupunktur behandeln wollen und die Kosten mit den Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) abrechnen wollen. Diese Ausbildung umfasst 200 Stunden. Sie soll das bisher gültige A-Diplom mit 140 Stunden Ausbildung ersetzen. Ab dem 1. Januar 2008 sind darüber hinaus Nachweise zu schmerztherapeutischen und psychosomatischen Qualifikationen erforderlich (zusätzliche Kurse mit 80 Stunden in psychosomatischer Grundversorgung sowie 80 Stunden über interdisziplinäre Schmerztherapie = insgesamt 360 Stunden).

In der Kampagne "Qualitätsinitiative Akupunktur" haben sich deutsche Fachgesellschaften für Akupunktur mit kompetenten Partnern zusammengeschlossen, um sich für eine gesicherte Qualität in der Akupunktur einzusetzen. Verschiedene Qualitätssiegel (zum Beispiel Qualitätsinitiative Akupunktur) sollen für Ärzte vergeben werden, die eine Vollausbildung und zweijährige Erfahrung vorweisen können.

Kosten/Erstattung durch die Kassen

Im Westen ist die Akupunktur  das wohl bekannteste Teilgebiet der Traditionellen Chinesischen Medizin. Wegen der großen Zustimmung in der Bevölkerung, vor allem aber wegen der kürzlich abgeschlossenen Studien, hat die gesetzliche Krankenversicherung die Akupunkturbehandlung mit Nadeln bei chronischen Rücken- oder Knieschmerzen in den Regelleistungskatalog aufgenommen.

Geschichte – Entwicklung

Unter Akupunktur versteht man die Reizung von Punkten auf der Haut durch Nadeln. Sie lebt von einem über Jahrhunderte hinweg überlieferten Erfahrungsschatz. Die theoretischen Grundlagen der Akupunktur wurden vor 2200 Jahren in China  zum ersten Mal schriftlich niedergelegt.

Die Akupunktur wird gegen unzählige Beschwerden und zur Behandlung von Schmerzzuständen – auch chronischen Schmerzen – eingesetzt. Nach und nach haben sich im Osten sowie im Westen zahlreiche Formen entwickelt. Im weitesten Sinne werden darunter auch andere Methoden zusammengefasst, die verschiedene Mittel wie Wärme, Druck oder Laser-Licht verwenden.

Aus dem Osten kommen folgende Varianten:

Moxibustion
Über oder auf bestimmten Punkten der Haut werden Presslinge aus getrockneten Beifussblättern verbrannt („Moxawolle“). Ursprünglich wurden so Brandblasen auf der Haut erzeugt. Heute wird die Haut dabei meist nur noch intensiv erwärmt.

Chinesische Schädelakupunktur
Hier geht es um Hirnareale, die durch Akupunkturpunkte auf dem Schädeldach beeinflusst werden. Bei Schädel-, Hirnverletzten und Schlaganfall-Patienten möchte man beispielsweise erreichen, dass gesunde Areale die geschädigten ersetzen.

Handakupunktur oder Fußakupunktur
Diese beiden Formen stammen aus Korea. Man geht hier davon aus, dass alle Organe in der Hand abgebildet werden und über die Hand erreichbar sind.

Akupressur
Mit den Fingerkuppen werden Akupunkturpunkte und Schmerzpunkte unter sanftem Druck massiert. Die Wirkung ist aber schwach und mit der Nadel-Akupunktur nicht zu vergleichen.

In neuerer Zeit haben sich aus der Akupunktur verschiedene neue Richtungen entwickelt:

Laser-Akupunktur
Hierbei arbeitet man statt der Nadeln mit Laserlicht. Diese Behandlung eignet sich vor allem für Kinder und Erwachsene, die keine Nadeln vertragen. Bevorzugte Anwendungsgebiete sind Schmerzen des Bewegungsapparates, die Raucherentwöhnung, Tinnitus und schwer heilende Wunden.

Ohrakupunktur
Dies ist eine Form der Akupunktur, die in den fünfziger Jahren von dem Arzt Nogier nach Quellen alter chinesischer Literatur in Frankreich entwickelt wurde. Auch er geht davon aus, dass der ganze Körper in einem Teilgebiet, dem Ohr repräsentiert ist.

Elektroakupunktur
Bei der Elektroakupunktur wird über die Nadeln in den klassischen Akupunkturpunkten zusätzlich elektrischer Strom geleitet. Behandelt werden neben Schmerzen auch Nervenerkrankungen und Lähmungen.

Auch die transdermale elektrische Nerven-Stimulation (TENS) ähnelt der Elektroakupunktur. Dieses Verfahren möchte Schmerzen durch das Setzen eines Gegenreizes (Gegenirritation) unterdrücken. Der Schwachstrom blockiert die Nerven, die sonst den Schmerz weiterleiten würden. Einsatzgebiete sind Nervenerkrankungen, Lähmungen und Schmerzgeschehen (auch Zähne).

Davon zu unterscheiden ist die Elektroakupunktur nach Voll. Sie ist eine Kombination von Elementen der TCM und der Homöopathie nach Samuel Hahnemann. Die Messung des Hautwiderstandes an verschiedenen Stellen soll Aufschluss über Störungen im Körper geben. Durch Reizstrom sollen dann an den pathologisch veränderten Messpunkten die abweichenden Messwerte in Richtung Normwert ausgeglichen werden. Auch wird die Reaktion des Patienten gegen Substanzen getestet, die der Patient in einem Metallbecher in der Hand hält. Diese Methode ist sehr umstritten.

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